Kurze Vorgeschichte, wie ich überhaupt zu diesem Artikel komme:

Manchmal braucht man einen guten Freund, der einem die Augen öffnet und einem von seinem eigenen Handeln warnt.

Genau in dieser Situation war ich auch. Ich steigerte mich immer mehr in diesen „Fitness-Wahn“ hinein und merkte dabei nicht, dass ich immer weiter von der Realität abdriftete.

Für eine aussenstehende Person kann meine Ambition für den Kraftsport — teils zu Recht — schnell als übertrieben angesehen werden.
Ich selbst merkte gar nicht, wie fest ich in diesem Sumpf bereits drin steckte. Bis ich dann auf den Boden der Realität zurückgeholt wurde. Es brauchte mehrere klärende Gespräche bis ich begriff, wie stark ich meine Persönlichkeit verändert habe. Dies liegt sicherlich auch ein Stück daran, dass ich ein Vorhaben immer mit grösstmöglicher Korrektheit und mit meinem Leistungsmaximum ausführen will — frei nach dem Motto „Ganz oder gar nicht!“.

Ich danke an dieser Stelle nochmals meinen Freunden, dass sie so aufrecht und ehrlich zu mir waren!

Nun zum eigentlichen Thema — wie kannst DU verhindern, dass du in eine ähnliche Situation gerätst?

Hier einige Tipps:

  • Wenn dein aktueller Trainingsplan Erfolge gebracht hat, dann bleib dabei!
  • Offen für Neues Ja, aber mit Verstand. Will heissen, wenn du eine Übung aus deinem Programm austauschen möchtest, dann tausche diese mit einer Gleichwertigen.
  • Experimentierfreudig? Gut, aber versuche nicht das Rad neu zu erfinden. Bleib bei den Basic-Übungen oder lass dir Neue von deinem Trainer zeigen.
  • Das perfekte Trainingssystem existiert nicht — die Suche nach diesem gleicht der Suche von der berühmten Nadel im Heuhaufen.
    Es ist aber nicht falsch sondern sogar erwünscht, dass nach einer gewissen Zeit (wir sprechen hier von einigen Monaten) das Trainingssystem gewechselt wird. So werden neue Muskelreize gesetzt.
  • Mach es nicht komplizierter als es eh schon ist — ob nun Ober-, Unter- oder neutraler Griff ist im Endeffekt ziemlich egal. Kommst du mit einem Griff nicht klar, dann lass ihn halt weg.
    Ob nun mit dem Einen 2% mehr Bizeps oder dem Anderen 3% mehr Latissimus beansprucht werden, was soll’s.
  • Soll ich nun eine Satzpause von 34 oder 47 Sekunden machen? Muskelversagen Ja oder Nein? Wie schütze ich mich vor dem katabolen Teufel?
    Alles too much! Unser Körper ist nicht so verweichlicht, wie die heutige Gesellschaft es oft propagiert. Belaste ihn und er wird wachsen, sofern Du ihn ausreichend fütterst.
  • Genau wie mit dem Training verhält es sich bei der Ernährung: Soll ich nun 2356 oder doch besser 2443 Kalorien zu mir nehmen? Ist der glykämische Index von feinen Haferflocken niedriger als der von groben? Verändert sich die biologische Wertigkeit von Eiern beim Braten? Im Ernst, sofern du nicht gerade auf Wettkampfdiät bist, drauf geschissen! Ernähre dich sauber und ausgewogen und gut ist.
  • Das gleiche bei den Supplementen. Ich selbst nehme auch Nahrungsergänzungsmittel, aber sie sollen das bleiben, was ihr Name schon aussagt — ergänzende Nahrungsmittel!
    Und das beste Supplement nützt nichts, wenn du im Studio nur ein bisschen Altersturnen veranstaltest
  • Cardio ja oder nein? Hemmt das den Muskelaufbau? Und werden da nicht wertvolle Muskeln verbrannt?
    Ja und??? Dann iss halt mehr! Schaden wird dir das Ausdauertraining sicherlich nicht, im Gegenteil.
  • Hör auf deinen Körper — wenn du dich schlapp fühlst, dann lass das Training halt einmal aus.
  • Sieh nicht alles so verbissen! Dass bringt dich erstens kaum weiter und zweitens wirst du so nur belächelt — ich weiss von was ich rede!

Fazit: Wissen ist Macht, nur sollte man einfach den Fokus nicht auf die Theorie sondern auf die Praxis legen.

Mir macht es Spass, mich über das ganze Umfeld des Krafttrainings zu informieren und die Hintergründe zu kennen. Aber es wird viel über Dinge diskutiert, die nur wenige Prozente vom Trainingserfolg ausmachen.